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Sicherheitsschuhe S1 bis S7 im Check: Welche Sicherheitsklasse brauchen Ihre Mitarbeiter wirklich?

MILWAUKEE® Team,

Veröffentlicht:

23 Okt 2026

Ein falscher Sicherheitsschuh ist unbequem – das ist aber sicher das geringste Problem. Viel schlimmer: Er führt zu schneller Ermüdung, belastet Rücken und Gelenke und erhöht das Risiko für Umknicken, Durchtritte oder andere Arbeitsunfälle. Trotzdem greifen viele Betriebe routinemäßig zu S3-Sicherheitsschuhen, ohne zu prüfen, ob diese für den jeweiligen Einsatz tatsächlich die beste Wahl sind. Umgekehrt werden die Vorteile neuer Klassen wie S7 oder leichtere S1P-Modelle häufig unterschätzt.

Dieser Ratgeber bringt Ordnung in den Normen-Dschungel. Sie erfahren, welche Sicherheitsschuhe-Klassen es gibt, welche Anforderungen die einzelnen Arbeitssicherheitsschuhe erfüllen und welche Sicherheitsklasse für Ihr Gewerk wirklich sinnvoll ist. So investieren Sie gezielt in Sicherheit, Tragekomfort und Wirtschaftlichkeit.
 

Vom Fundament aufwärts: Welche Sicherheitsklassen nach DIN EN ISO 20345:2022 gibt es bei Sicherheitsschuhen?

Alle modernen Sicherheitsschuhe basieren auf der europäischen Norm DIN EN ISO 20345:2022. Sie legt fest, welche Anforderungen ein Sicherheitsschuh erfüllen muss und bildet die Grundlage für alle heutigen Sicherheitsschuhe-Schutzklassen. Ergänzend gilt die PSA-Verordnung (EU) 2016/425. Das CE-Kennzeichen bestätigt, dass der Schuh von einer anerkannten Prüfstelle zertifiziert wurde.

Mit der aktuellen Norm wurden außerdem die neuen Klassen S6 und S7 sowie zusätzliche Kennzeichnungen wie SC, LG und SR eingeführt. Wer noch ältere Schuhmodelle im Einsatz hat, sollte deshalb prüfen, ob diese den heutigen Anforderungen entsprechen.

Den Ausgangspunkt bildet die Klasse SB. Sie bietet bereits eine Zehenschutzkappe, die einer Stoßenergie von mindestens 200 Joule und einer Druckbelastung von 15 kN standhält. Für professionelle Baustellen reicht SB jedoch in der Regel nicht aus, sondern dient lediglich als Basis für die weiteren Sicherheitsklassen.

Klasse S1 und S1P – für trockene Arbeitsbereiche

Sicherheitsschuhe S1 eignen sich vor allem für Lager, Logistik oder trockene Werkstätten. Neben der Zehenschutzkappe verfügen sie über einen geschlossenen Fersenbereich, antistatische Eigenschaften und eine energieabsorbierende Ferse.
Die Sicherheitsschuhe S1P ergänzen diese Ausstattung um einen Durchtrittschutz. 

Das „P“ steht für eine durchtritthemmende Zwischensohle, die vor Nägeln oder Metallspänen schützt. Neu hinzugekommen sind außerdem die Klassen S1PL und S1PS mit textilen durchtritthemmenden Einlagen. Sie unterscheiden sich durch ihre jeweiligen Prüfanforderungen und bieten zuverlässigen Schutz bei gleichzeitig hohem Tragekomfort. 
 

Klasse S3 – der Baustellenstandard

S3 kombiniert alle Eigenschaften von S1P mit einem wasserabweisenden Obermaterial. Dadurch schützen S3 Arbeitsschuhe nicht nur vor Durchtritten, sondern auch vor Feuchtigkeit, Schutt und unebenem Untergrund. Nicht ohne Grund gelten Sicherheitsschuhe S3 bis heute als Standard auf nahezu jeder Baustelle.
Auch hier existieren inzwischen modernisierte Varianten wie S3L und S3S mit leichteren textilen Durchtrittschutzeinlagen. Gerade bei Tätigkeiten mit viel Bewegung oder häufigem Knien erhöhen sie den Tragekomfort deutlich.
 

Klasse S7 – die neue Premiumklasse

Die neue Klasse Sicherheitsschuhe S7 geht einen Schritt weiter. Im Unterschied zu S3 ist der Schuh dauerhaft wasserdicht, da eine zertifizierte Membran das Eindringen von Wasser verhindert. Für Arbeiten im GaLaBau, Tiefbau oder bei dauerhaft nassen Bedingungen bietet S7 deshalb einen deutlichen Mehrwert. Wie bei S3 stehen auch Varianten S7L und S7S mit textilen Durchtrittschutzeinlagen zur Verfügung.

Klasse S2, S4, S5 und S6

Die übrigen Sicherheitsschuhe-Kategorien spielen im klassischen Bauhandwerk eine geringere Rolle. Dennoch lohnt sich ein Blick auf ihre Eigenschaften, denn je nach Einsatzbereich können sie die passende Wahl sein:

  • S2: Ergänzt S1 um ein wasserabweisendes Obermaterial, verzichtet jedoch auf einen Durchtrittschutz. Geeignet für trockene bis zeitweise feuchte Arbeitsbereiche ohne Durchtrittsrisiko.
  • S4: Polymerstiefel für Arbeiten mit starker Nässe oder Kontakt zu Chemikalien. Bietet keinen Durchtrittschutz.
  • S5: Entspricht S4, verfügt zusätzlich jedoch über einen Durchtrittschutz und eignet sich daher für anspruchsvollere Einsatzbereiche.
  • S6: Kombiniert die Eigenschaften von S2 mit einer dauerhaft wasserdichten Membran. Im Unterschied zu S7 besitzt die Klasse jedoch keinen Durchtrittschutz.
     

Zusatzanforderungen: Was die Kürzel auf dem Sicherheitsschuh bedeuten

Neben der eigentlichen Sicherheitsklasse tragen viele Modelle zusätzliche Kennzeichnungen nach DIN EN ISO 20345 beziehungsweise EN ISO 20345. Diese beschreiben besondere Eigenschaften des Schuhs und helfen dabei, den passenden Schuh für den jeweiligen Einsatzbereich auszuwählen. Zu den wichtigsten Kennzeichnungen gehören:

Kürzel

Bedeutung

Typischer Einsatz

A

Antistatisch – leitet elektrische Ladung kontrolliert ab

Standard in vielen Handwerksberufen

C

Elektrisch leitfähig – höhere Ableitfähigkeit als A

Explosionsgefährdete Bereiche

E

Energieaufnahme im Fersenbereich (mind. 20 Joule)

Hohe Laufbelastung, Logistik, Montage

FO

Öl- und benzinbeständige Laufsohle

Werkstätten, Baustellen, Maschinenpark

P

Durchtrittschutz mit metallischer Einlage

Klassische Baustellen

PL

Textiler Durchtrittschutz, geprüft mit 4,5-mm-Prüfnagel

Mehr Flexibilität bei gleichzeitig hohem Schutz

PS

Textiler Durchtrittschutz, geprüft mit 3-mm-Prüfnagel

Schutz vor besonders feinen spitzen Gegenständen

HI

Hitzeisolierung des Schuhunterbaus

Arbeiten auf heißen Untergründen

CI

Kälteisolierung des Schuhunterbaus

Winter- und Tiefbauarbeiten

HRO

Laufsohle kurzzeitig hitzebeständig bis 300 °C

Asphaltbau, Schweißarbeiten

M

Zusätzlicher Mittelfußschutz

Hohe mechanische Belastungen

AN

Knöchelschutz

Arbeiten mit erhöhter Umknickgefahr

SC

Abriebfeste Überkappe (neu seit DIN EN ISO 20345:2022)

Kniende Tätigkeiten, z. B. SHK oder Ausbau

SR

Rutschhemmung nach neuer Prüfmethodik (ersetzt SRA/SRB/SRC)

Nasse oder glatte Untergründe

LG

Verbesserter Halt auf Leitern durch spezielles Sohlenprofil

Tiefbau, Montage, Gerüstbau

CR

Schnittschutz im Bereich oberhalb des Sohlenrandes

Arbeiten mit scharfkantigen Materialien

WR

Vollständig wasserdichter Schuh

Dauerhaft nasse Arbeitsumgebungen

WPA

Wasserabweisendes Obermaterial (früher WRU)

Wechselnde Witterung, kurzzeitige Nässe

Für das Bauhandwerk sind insbesondere SR, SC, FO und HRO besonders relevant.
Ein praktischer Tipp: Die Schutzklasse finden Sie sowohl auf dem Schuhkarton als auch auf dem Etikett unter der Schuhlasche. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, ob ein vorhandener Schuh den Anforderungen entspricht.

Gute Sichtbarkeit ist auf der Baustelle ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor – besonders bei schlechten Lichtverhältnissen, in unübersichtlichen Arbeitsbereichen oder zwischen Fahrzeugen und Maschinen. Der MILWAUKEE® FLEXTRED™ S1PS HI-VIS-SICHERHEITSSCHUHE kombiniert deshalb die Sicherheitsklasse S1PS mit reflektierenden Elementen an Ferse und Vorderseite sowie durchgehend eingearbeiteten Reflexfäden. So ist der Schuh besser sichtbar und trägt zusätzlich zur Sicherheit im Arbeitsalltag bei. 

Welcher Sicherheitsschuh ist für welches Gewerk gesetzlich und praktisch geeignet?

Nicht jede Tätigkeit stellt die gleichen Anforderungen an einen Sicherheitsschuh. Die Wahl des Sicherheitsschuhs muss auf Basis einer Gefährdungsbeurteilung gemäß Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) erfolgen.

  • Hochbau und Abbruch: Hier haben sich S3- oder S3L-Sicherheitsschuhe bewährt. Sie schützen zuverlässig vor Nägeln, Schutt und scharfkantigen Materialien. Empfehlenswert sind zusätzlich SR für maximale Rutschhemmung und FO bei regelmäßigem Kontakt mit Kraftstoffen oder Maschinenöl.
  • GaLaBau und Tiefbau: Hier gelten Sicherheitsschuhe S7 inzwischen als neue Referenz. Dauerhafte Wasserdichtigkeit sorgt auch bei Schlamm, Regen oder Grabenarbeiten für trockene Füße. Ergänzend bieten SR und LG zusätzliche Sicherheit auf rutschigen Böden oder Leitern.
  • Elektroberufe und Werkstätten: Schutzklasse S1P mit ESD-Zertifizierung sind in diesen Bereichen beliebt. Hier stehen geringes Gewicht und Beweglichkeit im Vordergrund. Leichte ESD-Sicherheitsschuhe beziehungsweise Elektriker-Schuhe der Klasse S1P reduzieren Ermüdung und schützen gleichzeitig empfindliche elektronische Bauteile vor elektrostatischen Entladungen.
  • Transport und in der Logistik: Schutzklasse S1 oder S1P passen hier am besten. Denn wenn Mitarbeitende oft viele Stunden auf harten Hallenböden verbringen, sind leichte Sicherheitsschuhe mit hervorragender Dämpfung (Kennzeichnung E) und geringem Gewicht meist die beste Wahl.
  • Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: Schutzklasse S3 oder S3L empfiehlt sich in vielen Fällen. Flexible textile Durchtrittschutzeinlagen, abriebfeste Überkappen (SC) und eine hohe Rutschhemmung (SR) bieten insbesondere bei knienden Arbeiten auf glatten oder feuchten Böden zusätzlichen Schutz.
     

Wirtschaftlichkeit & Produktivität: Warum „billig“ am Fuß teuer wird

Der Anschaffungspreis allein sagt wenig über die tatsächlichen Kosten eines Sicherheitsschuhs aus. Ein günstiger Schuh, der bereits nach wenigen Monaten ersetzt werden muss, verursacht auf Dauer höhere Kosten als ein hochwertiges Modell mit längerer Lebensdauer. Hinzu kommt das Gewicht. Moderne Sicherheitsschuhe S3 mit Kunststoffkappen und innovativen Materialien reduzieren die Belastung bei jedem Schritt. Gerade Mitarbeitende, die täglich viele Kilometer zurücklegen, profitieren von geringerer Ermüdung und höherer Konzentration.
Auch das Obermaterial spielt eine wichtige Rolle. Robustes Leder überzeugt bei starker mechanischer Beanspruchung im Außenbereich. Moderne Textilgewebe bieten dagegen ein geringeres Gewicht und eine bessere Atmungsaktivität – ideal für Innenbereiche oder Tätigkeiten mit hoher Laufleistung.

Nicht zuletzt investieren Unternehmen mit hochwertigen Arbeitssicherheitsschuhen auch in ihre Mitarbeitenden. Bequeme, moderne Schuhe werden als Wertschätzung wahrgenommen und tragen dazu bei, Motivation und Mitarbeiterbindung langfristig zu stärken.
 

Muss der Arbeitgeber die Kosten für Sicherheitsschuhe übernehmen?

Viele Arbeitgeber stellen sich die Frage: Muss der Arbeitgeber Arbeitsschuhe stellen? Die Antwort lautet eindeutig: Ja. Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass Fußschutz erforderlich ist, verpflichtet das Arbeitsschutzgesetz zusammen mit der PSA-Benutzungsverordnung den Arbeitgeber dazu, geeignete Sicherheitsschuhe bereitzustellen und vollständig zu finanzieren.

Auch der beste Schuh schützt nur, solange er technisch einwandfrei ist. Beschädigte Zehenschutzkappen, verschlissene Sohlen oder Risse im Obermaterial sind klare Anzeichen dafür, dass der Schuh ersetzt werden muss.
 

Fazit: Investieren Sie in das Fundament Ihres Teams

Ein Sicherheitsschuh ist weit mehr als vorgeschriebene Arbeitskleidung. Er begleitet Ihre Mitarbeitenden jeden Tag über viele Kilometer, schützt vor Verletzungen und trägt entscheidend zu Komfort, Gesundheit und Produktivität bei.

Wer die passenden Sicherheitsschuhklassen für jedes Gewerk auswählt, reduziert Ausfallzeiten, erhöht die Wirtschaftlichkeit und investiert nachhaltig in die Sicherheit seines Teams. Entdecken Sie jetzt das MILWAUKEE® Sicherheitsschuh-Sortiment und finden Sie die passende Lösung für Ihre Anforderungen.

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